Direkt zum Hauptbereich

Neue SÜDWIND-Studie und Fact Sheet zu Klimaschutzmaßnahme REDD+


Ein neuer Maßstab für den Klimaschutz? – REDD+ als Instrument für nachhaltiges Waldmanagement

Bonn, 17.02.2017: Ein effektiver Waldschutz ist für die Erreichung der weltweiten Klimaziele und die Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5°C von großer Bedeutung. Um den Waldschutz zu verbessern, wurde in den internationalen Klimaverhandlungen das Instrument REDD+ ins Leben gerufen. Die Abkürzung steht für „Reducing Emissions from Deforestation and Forest Degradation" (Verringerung von Emissionen aus Entwaldung und Waldschädigung) und ist der Versuch einer offiziellen Antwort auf den weiter voranschreitenden  Waldverlust. Doch die neu erschienene SÜDWIND-Studie zeigt, dass eine praktische Umsetzung von REDD+ bis heute mit Schwierigkeiten behaftet ist. Hauptverursacher für die Entwaldung ist die intensive industrielle Landwirtschaft, die in Teilen auch für den Export nach Deutschland produziert. Sie lässt sich über REDD+ jedoch kaum in den Waldschutz einbinden.

Wälder werden als die „Lungen der Welt" bezeichnet, weil sie das klimaschädliche Kohlendioxid „einatmen" und den lebensnotwendigen Sauerstoff „ausatmen". Aber der Waldverlust und damit die Zerstörung eines wichtigen Ökosystems ist vor allem in den Tropen noch immer besorgniserregend. Mit Hilfe von REDD+ sollen Entwicklungsländer daher einen Anreiz bekommen, durch verbesserten Waldschutz und vermiedene Entwaldung einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Die Idee dahinter ist zunächst einmal simpel: Entwicklungsländer schützen ihre Wälder besser und vermeiden Abholzung und damit den Ausstoß von Kohlendioxid (CO2). Können sie nachweisen, dass sie ihren Wald erfolgreich geschützt haben, erhalten sie von den Industrienationen Geld für jede Tonne reduziertes CO2. REDD+ ist also vor allem ein Kompensationsmechanismus, der den finanziellen Anreiz für den Schutz der Wälder und deren finanzielles Gewicht in wirtschaftlichen Entscheidungsprozessen erhöhen soll.

Doch vor allem in der Frage der Finanzierung liegt einer der größten Streitpunkte. Gegenwärtig werden REDD+-Maßnahmen überwiegend aus öffentlichen Töpfen der Entwicklungszusammenarbeit finanziert. Geplant ist jedoch die Finanzierung über Emissionszertifikate für den internationalen Kohlenstoffmarkt. Unternehmen könnten dann REDD+-Zertifikate erwerben, um ihre eigenen Emissionen zu kompensieren. „Das ist hoch umstritten. Viele kritisieren allein schon die Tatsache, dass bestimmte Dienstleistungen der Natur – in diesem Fall die Speicherung von CO2 – mit einem Geldwert bemessen und gehandelt werden", meint Irene Knoke, eine der AutorInnen der Studie. „Für einen effizienten Klimaschutz wäre es aber vor allem auch wichtig, dass hier bei uns viel stärker in saubere Technologien gesetzt wird. Wenn Unternehmen allzu leicht ihre Emissionen aus fossilen Brennstoffen über Waldschutzprojekte kompensieren können, kann das den raschen Wandel hin zu emissionsarmen Technologien erschweren. Ob der Wald aber in 50 Jahren noch steht, ist keineswegs gesichert."

Ein weiterer Kritikpunkt ist die Frage, wie die in den Waldgebieten lebenden, oft indigenen Gemeinden einbezogen werden sollen. Trotz vereinbarter Schutzklauseln werden sie oft in ihren Rechten zur Nutzung der Wälder eingeschränkt. „Das liegt auch in dem stark von oben greifendem Ansatz begründet, der allein der Logik von Emissionsreduktionen folgt", sagt Pedro Morazán, weiterer Autor der Studie. „Für einen effektiven Waldschutz sind die dort lebenden Gemeinden von zentraler Bedeutung. Sie leben oft schon seit Jahrhunderten im Einklang mit der Natur, und sind vielerorts selbst bedroht. Ein stärkerer rechtebasierter Ansatz für diese traditionellen Gemeinden könnte dem Waldschutz viel mehr dienen", so Morazán weiter. 

Bedroht sind lokale Bevölkerungsgruppen insbesondere durch den Vormarsch der industriellen Landwirtschaft. Sie ist und bleibt der größte Treiber von Abholzung und Entwaldung. Der Erfolg von REDD+ wird sich letztlich auch daran messen lassen müssen, ob das Instrument in der Lage ist, die größten Treiber der Entwaldung in die Schranken zu weisen. Danach sieht es im Moment nicht aus.

Die Studie und das zusammenfassende Fact Sheet wurden von Engagement Global im Auftrag des BMZ und von der Stiftung Umwelt und Entwicklung Nordrhein-Westfalen im Rahmen des Green Economy-Projekts gefördert. Beides steht hier zum Download bereit und kann hier oder über info@suedwind-institut.de bestellt werden.



Beliebte Posts aus diesem Blog

Entwicklungspolitische Webseiten der Woche (weekly)

BLICKPUNKT ZUKUNFT - Zeitschrift mit Beiträgen und Zeitdokumenten zur Zukunfts- und FriedensdiskussionBLICKPUNKT ZUKUNFT erscheint seit dem Jahre 1981 regelmäßig als Druckausgabe und ist auch als PDF-Dokument im Internet seit dem Jahre 1997 kostenlos erhältlich. Die Ausgaben 50 bis 60 wurden von Werner Mittelstaedt und der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler - (VDW e.V.) gemeinsam herausgegeben. Seit Ausgabe 61 wird BLICKPUNKT ZUKUNFT von Werner Mittelstaedt alleine herausgegeben.Tags: zukunft, frieden, friedensarbeit, zeitschrift, wissenschaft - By Karsten Weitzenegger Fairbindung ist Bildungspartner für Postwachstum und Solidarische ÖkonomieDas Kollektiv FairBindung setzt sich seit 2009 für eine nachhaltige, solidarische und global gerechte Welt ein. Wir verstehen unsere Arbeit als Beitrag zu einer sozial-ökologischen Transformation hin zu einer zukunftsfähigen Wirtschaft und Gesellschaft.Tags: BNE, bildung, Ökonomie, wachstum, postwachstum, postwachstumsökonomie - By Karsten Wei…

Zivilgesellschaft kritisiert Fusion von ChemChina und Syngenta

Warnung vor Giganten-Hochzeiten: Zivilgesellschaft kritisiert Zustimmung der EU-Kommission zur Fusion von ChemChina und Syngenta 
Berlin, 5. April 2017 -  Deutsche NGOs kritisieren entschieden die heutige Zustimmung der EU-Wettbewerbsrechtkommissarin Margrethe Vestager zur Mega-Fusion des chinesischen Chemiekonzerns ChemChina mit dem Schweizer Saatgut- und Chemiekonzern Syngenta. Sie stellen sich damit gegen eine Reihe von Mega-Fusionen im Agrar- und Pestizidmarkt. Erst vor 9 Tagen hatte die EU der Fusion von Dow und DuPont grünes Licht gegeben. Zudem will Bayer den Konzern Monsanto übernehmen.
"Es muss ein Ende der Giganten-Hochzeiten geben. Kaum ein Markt ist jetzt schon so konzentriert wie der globale Saatgut- und Pestizidmarkt. Von Privatisierung, Deregulierung und …

Nachhaltigkeitsrat für andere Afrika-Politik

Berlin, 06.04.2017 - Der Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) hat  in seiner Sitzung am 28. März eine Stellungnahme für eine umfassende G20-Partnerschaft mit Afrika zur Umsetzung der Agenda 2030 beschlossen.

Darin fordert der Rat eine umfassende Neuausrichtung der multilateralen Zusammenarbeit Deutschlands und Europas mit Afrika. Maßstab soll nach Auffassung des Nachhaltigkeitsrates sein, dass sich alle Staaten der Welt auf gemeinsame Nachhaltigkeitsziele geeinigt haben, die es jetzt kreativ und mit neuen Schritten umzusetzen gilt. Wichtig sei aber insbesondere auch die Agenda 2063 der Afrikanischen Union (AU). Die AU will in den nächsten zehn Jahren die  Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und die Menschenrechte fördern und dazu vor allem auch wirtschaftliche Reformen voranbringen. Aus Sicht des RNE sollte eine Partnerschaft nicht einseitig von den G20 entworfen werden, sondern gemeinsam mit den afrikanischen Partnern.

Als ersten Schritt schlägt der RNE vor, der Afrikanis…